Interessantes zur BGW – Ein Mitglied des LVKTP berichtet

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
unsere Kollegin Micaela Scheffel aus Gera möchte mit folgendem Beitrag über wichtige Punkte, die Kindertagespflegepersonen bei der Absicherung über die Berufsgenossenschaft beachten sollten, informieren.

Diese sind:

  1. Höhe der Versicherungssumme
  2. Arbeitsunfälle melden
  3. Die BGW und Corona 

1.Höhe der Versicherungssumme

Für alle die TPPs, die sich mit dem Thema „Beitragshöhe“ noch nicht auseinandergesetzt haben, möchte ich hiermit dazu ermuntern. Dieses Thema wird spätestens dann interessant, wenn die TPP wegen eines Arbeitsunfalls einen Verdienstausfall erleidet.

Die Höhe der Versicherungssumme richtet sich nach dem Wunsch des Antragstellers. Jeder hat die Möglichkeit, die Höhe zwischen Mindest – und Höchstversicherungssumme zu wählen. Nicht jeder weiß das und ist noch mit der Mindestversicherungssumme versichert. Das hat zur Folge, dass im Falle eines Ausfalls weniger Verletztengeld oder Vollrente bezahlt wird und ein Verdienstausfall damit nicht vollständig ausgeglichen wird. 

Zu bedenken ist hierbei, dass uns die Jugendämter die Kosten der Unfallversicherung in voller Höhe zu erstatten haben und hier nicht von einer „angemessenen Erstattung“ wie bei Renten – und Kranken -/Pflegeversicherung ausgegangen werden kann. Es macht also Sinn, sich mit der Höchstsumme, aber zumindest mit einer Summe, die dem aktuellen Einkommen entspricht, zu versichern. Die Tabelle mit den gestaffelten Beträgen zur Versicherungssumme, täglichem Verletztengeld und monatlicher Vollrente befindet sich immer als Beilage zum Beitragsbescheid. Verletztengeld und Vollrente werden nicht nach Eurem Einkommen sondern nach der Höhe der Versicherungssumme gezahlt.

Wer jetzt feststellt, dass er unterversichert ist, dem empfehle ich, sich schnellstmöglich höher zu versichern. Das geht auch mitten im Beitragsjahr. Das Jugendamt erstattet dann auch die Differenz des Beitrages.

2.Arbeitsunfälle melden

Trotz größter Vorsicht kommt es bei unserer Arbeit immer wieder zu kleineren und größeren Unfällen oder Krankheiten, die beruflich bedingt sind. Zunächst möchte ich ins Bewusstsein rufen, dass wir auch bei Bagatellunfällen ein Recht darauf haben, dass diese reguliert werden. Wir sind keine Ärzte und können deswegen eventuelle Folgeschäden oft gar nicht abschätzen. 

Deswegen empfehle ich auch bei kleineren Unfällen (z.B. mit dem Fuß umknicken, weil Ihr auf einen Baustein getreten seid) den D – Arzt aufzusuchen und gegebenenfalls eine Unfallmeldung an die BGW zu schicken, wenn sich daraus eine Behandlung oder Arbeitsunfähigkeit ergibt. 

Habt Ihr einen Schaden durch einen Unfall erlitten, ist also folgende Reihenfolge einzuhalten: innerhalb von drei Tagen sucht Ihr einen D – Arzt auf und füllt anschließend eine Unfallanzeige aus, die Ihr zur BGW schickt. Der D – Arzt schickt parallel dazu seinen Bericht an die BGW. (Sollte es sich aus Sicht des D – Arztes nicht um einen Unfall handeln, bezahlt die Behandlung dann nicht die BGW sondern Eure Krankenkasse.) Anschließend erhaltet Ihr Post mit Formularen zum Unfallhergang, zur Anfrage nach Euren Versicherungen (Sozial -, Kranken – ,Pflege-) und zur Feststellung des Anspruches auf Leistungen wie Verletztengeld oder Rente. Jederzeit sind die freundlichen Mitarbeiter der BGW bereit, telefonisch beim Ausfüllen oder anderen Fragen zu helfen.

Also nehmt auch kleinere Unfälle ernst, wenn Ihr dadurch einen Schaden erlitten habt und macht Eure Ansprüche geltend.

3.Die BGW und Corona 

Jeder Versicherte erhält das BGWmagazin kostenlos zugestellt. In der Ausgabe 1/21 gibt es auf den Seiten 6 – 9 ausführliche Informationen zum Thema „Gemeinsam die Pandemie bewältigen“.

Dort wird erläutert, dass im Falle einer Covid – 19 – Erkrankung deren Anerkennung als Berufskrankheit in Betracht kommt. Bis Ende Dezember 2020 hat die BGW laut ihrem Artikel 78,6 % der Verdachtsanzeigen anerkannt. Länger Erkrankte erhielten zudem noch Leistungen für Heilbehandlungen und zur Rehabilitation.

Den ganzen Beitrag könnt Ihr in Eurem Heft selbst lesen. Ich möchte nur kurz darauf eingehen, was das für uns bedeutet. 

Sollte eine TPP bestätigt an Covid – 19 erkranken, so muss sie dies, sofern der Verdacht besteht, dass sie sich in Ausübung ihrer Tätigkeit damit angesteckt hat, schnellstmöglich (z.B. online) der BGW anzeigen. Dazu braucht es aber vorher die Diagnose. Da wir uns theoretisch auch beim Einkauf für die KTP angesteckt haben können, ist es für mich fraglich, ob ein betreutes Tageskind oder eine abholende Person positiv getestet sein muss. Allerdings wäre dadurch der Verdacht definitiv begründet, während es bei der Einkaufsgeschichte sehr auf den zuständigen Sachbearbeiter ankommt. Ich möchte trotzdem jede TPP hiermit ermuntern, eine bestätigte Covid – 19 – Erkrankung als Berufskrankheit geltend zu machen, da ja inzwischen bekannt ist, dass wir ohne Schutzmaßnahmen arbeiten müssen und laut Studie der AOK gemeinsam mit den Erziehern auf Platz 1 der am meisten wegen Covid – 19 krankgeschriebenen Berufsgruppen rangieren.

Fazit:

  • Jede TPP sollte mindestens in Höhe des Einkommens versichert sein.
  • Auch kleinere Schäden, die durch die Ausübung der Tätigkeit als TPP entstanden sind, sollten angezeigt werden.
  • Wer den Verdacht hat, sich durch seine Tätigkeit mit dem Covid – 19 – Virus infiziert zu haben und positiv getestet wurde, sollte dies unbedingt bei der BGW anzeigen

Obwohl wir mit unserer Versicherung bei der BGW sehr gut abgesichert sind, wünsche ich allen TPPs eine unfallfreie Zeit ohne das Covid – 19 – Virus.

Eure Micaela Scheffel