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Was zeichnet das Angebot der Kindertagespflege aus?

Kindertagespflege (KTP) ist wie die Kinderkrippe ein Betreuungsangebot für Kinder im Alter von 0 – 3 Jahren. Den Eltern wird es dadurch möglich, Job und Kinder miteinander zu vereinbaren.

Individuell kann in der KTP auf Allergien/Unverträglichkeiten, religiöse Besonderheiten oder einfach die Wünsche der Kinder eingegangen werden. Das Mittagessen wird in der Regel unter Einbeziehung der Kinder täglich frisch gekocht und orientiert sich an deren Vorlieben.

Niedrige Betreuungsschlüssel (maximal 5 Kinder) in den KTPs garantieren die Möglichkeit einer optimalen Förderung jedes Kindes. Auch introvertierte Kinder werden vollumfänglich wahrgenommen und in ihrer Entwicklung gestärkt.

Das familiennahe Angebot bietet im Alltag umfangreiche Möglichkeiten, die Kinder in Tätigkeiten, die sie auch von den Eltern zu Hause kennen, mit einzubeziehen. Das fördert die Selbstwirksamkeit der Kinder und schont teilweise die Nerven der Eltern.

Eine einzige Bezugsperson sowohl für die Kinder als auch für die Eltern fördert den schnellen Aufbau eines engen Vertrauensverhältnisses und damit einer tragfähigen Bindung der Kinder an die Kindertagespflegeperson. Beziehung dient als Grundlage für gleichwürdige Erziehung.

Regelmäßige Fortbildungen (mindestens 16h im Jahr) und eine enge Kooperation mit der Fachberatung im Jugendamt sichern die Fachlichkeit der tätigen Kindertagespflegeperson. Deren Pflegeerlaubnis wird aller 5 Jahre vom Jugendamt überprüft und gegebenenfalls verlängert.

Thüringens Bildungsplan für die Kitas bildet auch in der Kindertagespflege die Grundlage für die pädagogische Arbeit mit den Kindern. Im U3 – Bereich nimmt dabei das freie, intrinsische Spiel (von innen heraus) den größten Raum für das Lernen der Kinder ein.

Altersgenossen zum sozialen Lernen finden sich in der KTP in begrenzter Anzahl. Daraus resultierend sind die Beziehungen der Kinder untereinander intensiver und verbindlicher als üblicherweise in der Kita. Die sozialen Interaktionen der Kinder ähneln denen von Geschwistern.

Große Vorteile bietet der geschützte Rahmen für die Kinder, der auch durch die feste Zuordnung der Kinder entsteht. Dies zeigte sich während der Coronamaßnahmen. In der KTP blieb für die Kinder der Betreuungsalltag gleich. Für sie gab es dort keine spürbaren Veränderungen.

Eine professionelle Elternpartnerschaft auf Augenhöhe ist in der KTP durch eine intensive Einbeziehung möglich. Probleme können so schneller geklärt, und alle Infos zum Kind täglich bei den Übergaben zwischen Eltern und Betreuungsperson ausgetauscht werden.

Stabile Strukturen entstehen einerseits durch die wiederkehrenden Abläufe und andererseits gibt es keinen schichtbedingten Wechsel der Gruppe oder der Betreuungsperson wie in der Kita. 

Partizipation der Kinder ist in der KTP sehr gut umsetzbar. Innerhalb der rahmengebenden festen Struktur können der Tagesablauf und die Bildungsangebote den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder flexibel angepasst werden.

Flexible Betreuungsangebote in der Kindertagespflege ermöglichen es den Eltern, die passende Betreuung für die benötigten Zeiten zu finden. Ganztagespflege im Haushalt der Kindertagespflegeperson, in externen Räumen oder sogar im Haushalt der Eltern sind genauso möglich, wie ergänzende Angebote außerhalb der regulären Zeiten.

Leiser als in der Kita ist es schon auf Grund der geringeren Anzahl der Kinder. Die deutlich geringere Lautstärke wirkt sich positiv auf das Stresslevel aller Personen in der KTP aus. Die Kinder können den notwendigen Wechsel zwischen Anspannungs- und Entspannungsphasen so intensiver erleben.

Engere Bindungen entstehen automatisch durch weniger Kontakte innerhalb der KTP. Sie bilden eine wichtige Grundlage für ein gesundes Selbstwertgefühl und damit für die Ausbildung einer hohen seelischen Widerstandskraft. Konflikte können auf Grund des geringen Betreuungsschlüssels durch die Kindertagespflegeperson optimal begleitet werden.

Gleichgestellt werden die Betreuungsangebote der Kindertagespflege und der Kitas durch den Bundesgesetzgeber. Eltern wird deshalb im SGB VIII ein entsprechendes Wunsch- und Wahlrecht eingeräumt und ein Betreuungsanspruch ab dem ersten Lebensjahr des Kindes garantiert.

Einzelkinder kann die geschwisterähnliche Konstellation bereichern. Vor allem dann, wenn sie vor der Betreuung außerhalb des Elternhauses nur selten in Kontakt mit anderen Kindern gekommen sind. Auch unter den Familien bilden sich häufiger enge und verbindlichere Kontakte, ohne die sonst in den Kitas verbreitete Grüppchenbildung.

KINDERTAGESPFLEGE bietet damit als Betreuungsangebot viele Möglichkeiten für Kinder und deren Eltern. Sie kann damit als perfekter Übergang von der kompletten Behütung im Elternhaus zur Betreuung in der Kita mit hohem Betreuungsschlüssel und wechselnden Betreuungspersonen dienen.

(Verfasserin Micaela Scheffel)

Informationen des Bundesverbandes Kindertagespflege zur Aktionswoche finden sich unter folgendem Link:
www.aktionswoche-kindertagespflege.de

Ergebnis der Vorstandswahl vom 31.05.2021

Auf der Mitgliederversammlung am 31.05.21 wurde ein neuer Vorstand gewählt und eine neue Satzung beschlossen. Der BGB Vorstand wurde von vier auf drei Mitglieder verkleinert.

Frau Claudia Meins-Reidenbach aus Erfurt wurde einstimmig als Vorsitzende wiedergewählt. Neue Stellvertretende Vorsitzende ist Frau Micaela Scheffel aus Gera.

Die bisherige stellvertretende Vorsitzende, Frau Karoline Thielen-Wollscheid, verlässt die Kindertagespflege und stellte sich daher nicht zur Wiederwahl zur Verfügung.

Frau Yvonne Russ wurde ebenfalls einstimmig als Schatzmeisterin wiedergewählt.

Der Vorstand wird nun von drei BeisitzerInnen unterstützt. Diese sind Heike Herold aus dem Landkreis Sömmerda, Nicole Schneider aus Weimar und Kerstin Becker aus Erfurt (bisher stellvertretende Vorsitzende).

Wir danken den Mitgliedern für Ihre Unterstützung und wünschen dem neuen Vorstand eine erfolgreiche Amtszeit.

Informationen zum Förderprogramm „Betriebliche Kinderbetreuung“

Das Förderprogramm „Betriebliche Kinderbetreuung“ ist vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend neu aufgelegt worden. Es ist im September 2020 gestartet und läuft bis zum 31.12.2022. 

Das Förderprogramm bietet eine Anschubfinanzierung für Unternehmen, die neue Plätze in der betrieblichen Kinderbetreuung schaffen und somit zur Gestaltung einer familienbewussten Lebens- und Arbeitswelt beitragen. Auf diese Weise unterstützt es insbesondere KMU dabei, sich der Herausforderung beim Thema Fachkräftesicherung zu stellen und beim Wettbewerb um Fachkräfte im Rahmen einer familienfreundlichen Unternehmenskultur mit Großunternehmen mithalten zu können.

Das Förderprogramm richtet sich an Arbeitgeber mit Sitz in Deutschland und regt zudem die Kooperation von kleinen und mittelständischen Unternehmen an. Die Zusammenarbeit mit öffentlichen, gemeinnützigen oder privat-gewerblichen Trägern von Kinderbetreuungsangeboten ist möglich und entlastet Unternehmen bei der Organisation ihrer betrieblichen Kinderbetreuung.

Mit Hilfe der vier Module des Förderprogramms können die Unternehmen ein passendes Betreuungsangebot für ihre Beschäftigten entwickeln:

  • Modul 1: Förderung betrieblich unterstützter Betreuungsplätze in der Kindertagesbetreuung
  • Modul 2: Förderung betrieblich unterstützter Betreuungsplätze in der Kindertagespflege
  • Modul 3: Förderung von betrieblich unterstützten Plätzen zur Betreuung in Ausnahmefällen
  • Modul 4: Förderung von Plätzen in betrieblich unterstützter Ferienbetreuung. 

In den Modulen 1 bis 3 können neu zu schaffende betriebliche Betreuungsplätze unter Beteiligung der Arbeitgeber mit bis zu 400 € pro Platz und Monat gefördert werden. Im Modul 4 ist die Förderung mit bis zu 25 € pro Platz und Tag möglich. Die Förderrichtlinie und weitere Dokumente zum Programm finden Sie auf der Website www.erfolgsfaktor-familie.de/kinderbetreuung.

Die Aufzeichnungen von Online-Seminaren zum Förderprogramm „Betriebliche Kinderbetreuung“ bieten weitere Informationen – hier finden Sie auch Beispiele aus der Praxis: https://www.erfolgsfaktor-familie.de/noch-fragen-hier-koennen-sie-sich-beraten-lassen.html

Die Servicestelle berät Sie gern zu Ihren Fragen zur betrieblichen Kinderbetreuung und zum Förderprogramm und unterstützt Sie bei der Beantragung von Fördermitteln.

Sie erreichen die Servicestelle:

  • telefonisch: 0800-0009838 (kostenlos) am Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag von 9.00 bis 12.00 Uhr sowie Donnerstag von 14.00 bis 17.00 Uhr

Interessantes zur BGW – Ein Mitglied des LVKTP berichtet

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
unsere Kollegin Micaela Scheffel aus Gera möchte mit folgendem Beitrag über wichtige Punkte, die Kindertagespflegepersonen bei der Absicherung über die Berufsgenossenschaft beachten sollten, informieren.

Diese sind:

  1. Höhe der Versicherungssumme
  2. Arbeitsunfälle melden
  3. Die BGW und Corona 

1.Höhe der Versicherungssumme

Alle die KTPPs, die sich mit dem Thema „Beitragshöhe“ noch nicht auseinandergesetzt haben, möchte ich hiermit dazu ermuntern. Dieses Thema wird spätestens dann interessant, wenn die KTPP wegen eines Arbeitsunfalls einen Verdienstausfall erleidet.

Die Höhe der Versicherungssumme richtet sich nach dem Wunsch des Antragstellers. Jeder hat die Möglichkeit, die Höhe zwischen Mindest – und Höchstversicherungssumme zu wählen. Nicht jeder weiß das und ist noch mit der Mindestversicherungssumme versichert. Das hat zur Folge, dass im Falle eines Ausfalls weniger Verletztengeld oder Vollrente bezahlt wird und ein Verdienstausfall damit nicht vollständig ausgeglichen wird. 

Zu bedenken ist hierbei, dass uns die Jugendämter die Kosten der Unfallversicherung in angemessener Höhe zu erstatten haben.  Es macht also Sinn, sich mit einer Summezu versichern, die dem aktuellen Einkommen entspricht. Die Tabelle mit den gestaffelten Beträgen zur Versicherungssumme, täglichem Verletztengeld und monatlicher Vollrente befindet sich immer als Beilage zum Beitragsbescheid. Verletztengeld und Vollrente werden nicht nach Eurem Einkommen sondern nach der Höhe der Versicherungssumme gezahlt.

Wer jetzt feststellt, dass er unterversichert ist, dem empfehle ich, sich schnellstmöglich höher zu versichern. Das geht auch mitten im Beitragsjahr. Das Jugendamt erstattet dann auch die Differenz des Beitrages.

2.Arbeitsunfälle melden

Trotz größter Vorsicht kommt es bei unserer Arbeit immer wieder zu kleineren und größeren Unfällen oder Krankheiten, die beruflich bedingt sind. Zunächst möchte ich ins Bewusstsein rufen, dass wir auch bei Bagatellunfällen ein Recht darauf haben, dass diese reguliert werden. Wir sind keine Ärzte und können deswegen eventuelle Folgeschäden oft gar nicht abschätzen. 

Deswegen empfehle ich auch bei kleineren Unfällen (z.B. mit dem Fuß umknicken, weil Ihr auf einen Baustein getreten seid) den D – Arzt aufzusuchen und gegebenenfalls eine Unfallmeldung an die BGW zu schicken, wenn sich daraus eine Behandlung oder Arbeitsunfähigkeit ergibt. 

Habt Ihr einen Schaden durch einen Unfall erlitten, ist also folgende Reihenfolge einzuhalten: innerhalb von drei Tagen sucht Ihr einen D – Arzt auf und füllt anschließend eine Unfallanzeige aus, die Ihr zur BGW schickt. Der D – Arzt schickt parallel dazu seinen Bericht an die BGW. (Sollte es sich aus Sicht des D – Arztes nicht um einen Unfall handeln, bezahlt die Behandlung dann nicht die BGW sondern Eure Krankenkasse.) Anschließend erhaltet Ihr Post mit Formularen zum Unfallhergang, zur Anfrage nach Euren Versicherungen (Sozial -, Kranken – ,Pflege-) und zur Feststellung des Anspruches auf Leistungen wie Verletztengeld oder Rente. Jederzeit sind die freundlichen Mitarbeiter der BGW bereit, telefonisch beim Ausfüllen oder anderen Fragen zu helfen.

Also nehmt auch kleinere Unfälle ernst, wenn Ihr dadurch einen Schaden erlitten habt und macht Eure Ansprüche geltend.

3.Die BGW und Corona 

Jeder Versicherte erhält das BGWmagazin kostenlos zugestellt. In der Ausgabe 1/21 gibt es auf den Seiten 6 – 9 ausführliche Informationen zum Thema „Gemeinsam die Pandemie bewältigen“. In der Ausgabe 1/22 wird das Thema „Long – bzw. Post – Covid“ behandelt.

Es wird erläutert, dass im Falle einer Covid – 19 – Erkrankung deren Anerkennung als Berufskrankheit in Betracht kommt. Bis Ende Dezember 2020 hat die BGW laut ihrem Artikel 78,6 % der Verdachtsanzeigen anerkannt. Länger Erkrankte erhielten zudem noch Leistungen für Heilbehandlungen und zur Rehabilitation.

Seit 2022 hat die BGW die Kindertagespflegepersonen als Risikogruppe eingstuft. Damit fallen diese unter die Beweiserleichterung bei den Covid – 19 – Fällen. Somit entfällt das Benennen von Indexpersonen. (Nicht jedes Elternteil ist bereit, sein Kind testen zu lassen, nur weil die KTPP „positiv“ ist.) Solltet Ihr also Symptome haben und der PCR – Test positiv ausfallen, lasst Euch dafür eine Arbeitsunfähigkeit ausstellen und beantragt mit dieser bei der BGW für die Zeit Eurer Schließung Verletztengeld.

Fazit:

  • Jede TPP sollte mindestens in Höhe ihres Einkommens versichert sein.
  • Auch kleinere Schäden, die durch die Ausübung der Tätigkeit als TPP entstanden sind, sollten angezeigt werden.
  • Wer auf das Covid – 19 – Virus positiv getestet wurde und mit Symptomen erkrankt, sollte dies unbedingt bei der BGW anzeigen und Verletztengeld beantragen.

Obwohl wir mit unserer Versicherung bei der BGW sehr gut abgesichert sind, wünsche ich allen TPPs eine unfallfreie Zeit ohne das Covid – 19 – Virus.

Eure Micaela Scheffel

Dank an die politischen Entscheider auf Kommunal- und Landesebene

Die Corona-Krise hat uns alle vor große private, aber auch finanzielle Herausforderungen gestellt. 

Für viele Tagesmütter und Tagesväter bedeutete die coronabedingte Schließung der Kinderbetreuungseinrichtungen einen teilweisen bis vollständigen Verlust Ihrer Einnahmen. Kindertagespflegepersonen in ganz Thüringen wurden von heute auf morgen mit großen Existenzsorgen konfrontiert.

Dank der Regelungen im Corona-Mantelgesetz, auf die Sie sich als politische Entscheider verstängigten, konnte die finanzielle Krisensituation der  Tagesmütter und Tagesväter jedoch entschärft werden. 

Die Landesregierung sichert im Corona-Mantelgesetz eine vollständige Weiterfinanzierung der Förder-Pauschale pro Kind sowie die Erstattung der entfallenen Elternbeiträge an die Städte und Gemeinden zu, sofern eine Weitervergütung der Kindertagespflege erfolgt.

Fast alle thüringer Gemeinden haben sich daraufhin für eine vollständige Weiterfinanzierung der Kindertagespflegepersonen entschieden und so den Fortbestand der Kindertagespflege in Thüringen gesichert. 

Hierfür danken wir Ihnen Allen im Namen des Landesverbandes und der Thüringer Kindertagespflegepersonen sehr.

Ein herzliches Dankeschön

Dr. Claudia Meins-Reidenbach

Karoline Thielen-Wollscheid

Kerstin Becker und 

Yvonne Russ

vom Landesverband für Kindertagespflege Thüringen e.V.

Appell an die politischen Entscheider der Thüringer Gemeinden,

die Corona-Krise stellt uns alle vor große Herausforderungen. 

Für die Kindertagespflegepersonen in Thüringen ist die Corona-Krise leider bislang auch eine finanzielle Krisensituation. Denn die Finanzierung der Kindertagespflegepersonen ist derzeit ungesichert. Verbindlichen Aussagen darüber ob und in welcher Höhe eine Weitervergütung bis zur Aufhebung der Schließung von Kindertageseinrichtungen erfolgt, gibt es derzeit nicht.

Die Thüringer Kindertagespflegepersonen ermöglichen derzeit mit ihrem Notbetreuungsangebot, dass Eltern aus systemrelevanten Bereichen weiter ihrer Arbeit nachgehen können. Hierbei geben sie trotz des Corona-Ansteckungsrisikos für sich und ihre Familienangehörigen jeden Tag Ihr Bestes, um die Betreuung in einer familiären Umgebung für die Kleinsten so entspannt und liebevoll wie immer zu gestalten.

Aber auch die Tagesmütter und Tagesväter die keine Notbetreuung anbieten, entweder weil sie zu einer Risikogruppe gehören oder weil sie keine Kinder von Eltern in Betreuung haben, die zur Gruppe der Notbetreuungsberechtigten gehören, dürfen bei der Sicherstellung der Finanzierung nicht außer acht gelassen werden.

Die Thüringer Tagespflegepersonen brauchen daher nun die Gewissheit, dass durch die Corona-Krise nicht auch ihre Existenz gefährdet wird. Hier sind die politischen Entscheider  in der Verantwortung, Kindertagespflegepersonen und damit die dringend benötigten Betreuungsplätze im U-3 Bereich zu sichern und zu erhalten. 

Dass die Förderleistung der Tagespflegepersonen von 2,53-3,18 Euro pro Kind und Stunde nicht ausreicht, um für Krisenzeiten Rücklagen zu bilden, liegt auf der Hand. Die Tagesmütter und Tagesväter arbeiteten auch schon vor der Krise am Existenzminimum. Ein mehrwöchiger Verdienstausfall wäre das sichere Aus für viele Tagesmütter und Tagesväter. Daher ist es nun unabdingbar, dass die Förderleistung vollständig weitergezahlt wird.

Wir hoffen und vertrauen auf Ihre Unterstützung einer nachhaltigen und über den 19.04.2020 hinaus reichenden Weiterfinanzierung der Kindertagespflegepersonen.

Claudia Meins-Reidenbach, Karoline Thielen-Wollscheid, Kerstin Becker und Yvonne Russ

Landesverband für Kindertagespflege Thüringen e.V.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

laut heutigem Erlass des Gesundheitsministeriums, werden die Thüringer Kindertagespflegestellen bis zum 19.04.2020 geschlossen.

Eine Notbetreuung von Kindern von Erziehungsbe­rechtigten, die in sogenannten kritischen Infrastrukturen tätig sind, ist ­sicherzustellen.

Informationen zur Handhabung der Notbetreuung und zu finanziellen Fragen erhaltet Ihr bei Eurem zuständigen Jugendamt.

Wir danken der Ministerin ausdrücklich für Ihre Offenheit gegenüber unseren Argumenten und Ihrem entschlossenen Handeln.

Offener Brief an die Gesundheitsministerin Thüringens

Sehr geehrte Frau Ministerin Werner,

wie aus Ihrem Schreiben vom 13.03.2020 an das Thüringer Verwaltungsamt hervorgeht, soll die Kindertagespflege von der Schließung von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen zur Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus ausgenommen sein.

Grund hierfür sei, dass hier „eine sehr geringe Zahl bzw. Einzelbetreuungen ohne maßgebliches Infektionsrisiko in Rede“ stünde.

Dieser Einschätzung möchten wir vehement widersprechen und fordern Sie nachdrücklich auf, die Kindertagespflege in die für Kindertagesstätten gültigen Regelungen  einzubeziehen.

Laut Robert Koch-Institut haben derzeit Maßnahmen zur Kontaktreduzierung oberste Priorität, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Hier passt es nicht zusammen, dass Kindertagespflegepersonen in Thüringen, unabhängig von der Gesamtzahl der anwesenden Personen und weiterer Risikofaktoren weiterarbeiten sollen. 

Kindertagespflegepersonen betreuen bis zu fünf Kinder. Hinzu kommen die eigenen Kinder der Tagespflegepersonen, die von den Schul- und Kitaschließungen betroffen sind und mitbetreut werden müssen. Desweiteren wird die Personenzahl durch Ehepartner, die derzeit im Homeoffice arbeiten und von Tageskindeltern, die ihre Kinder in der Eingewöhnungsphase begleiten, erhöht. Hier kann unseres Erachtens nicht von einer geringen Zahl bzw. Einzelbetreuung gesprochen werden.

Tagesmütter und Tagesväter, die in ihren privaten Räumen Kindertagespflege beteiben, sorgen sich darüber hinaus sehr um den Schutz ihrer eigenen Familien. Insbesondere ist es hier problematisch, dass bei unter dreijährigen Kindern ein enger Körperkontakt und damit ein erhöhtes Infektionsrisiko nicht vermieden werden kann. Eine Betreuung in privat genutzten Räumlichkeiten ist aus unserer Sicht sowohl aus Infektionsschutzaspekten als auch der Fürsorgepflicht gegenüber der Familie der Tagespflegeperson nicht akzeptabel.

Auch die Frage, wie mit Tagespflegepersonen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe bei einer Infektion umzugehen ist, wird Ihrerseits nicht ausreichend berücksichtigt. Unter den Thüringer Tagespflegepersonen befinden sich auch Personen, die aufgrund von Vorerkrankungen bzw. höherem Alter zu dieser Risikogruppe gehören und unbedingt von dieser pauschalen Betreuungspflicht für Kindertagespflegepersonen ausgenommen werden sollten.

Bei der Weiterbetreuung von Kindern mit Eltern die in sogenannten kritischen Infrastrukturen tätig sind, möchten auch die Thüringer Tagespflegepersonen selbstverständlich ihren Beitrag leisten. Die Betreuung sollte jedoch nicht in privat genutzten Räumen sondern in externen Räumen, die von den Jugendämtern zur Verfügung gestellt werden, erfolgen.

Wir bitten Sie daher dringend, Ihre Festlegungen zur Kindertagespflege zu überarbeiten und, wie auch in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern oder Nordrhein-Westfalen umgesetzt, die Kindertagspflegestellen analog zu Kindertagesstätten und Schulen zu schließen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Claudia Meins Reidenbach

Karoline Thielen-Wollscheid

Kerstin Becker

Yvonne Russ

Landesverband für Kindertagespflege Thüringen e.V.